Shaving Therapie bei offenen Beinen beendet Leiden

Ein unterschätztes Problem: „Viele Patienten glauben, ihre Krampfadern seien ein  kosmetisches Problem, aber da irren sie“, umschreibt Dr. med. Johannes Heiß-Bogner, Chefarzt der Capio Schlossklinik Abtsee das große Dilemma der Venenspezialisten. Meist kommen Patienten auch sehr spät zur Behandlung, weil die bläulich gefärbten dicken Varizen – so der Fachbegriff – lange nicht weh tun.

Dabei können bereits erste Besenreiser ein Warnsignal sein. Ein Venenspezialist erkennt mit Ultraschall (Doppler- und Duplex-Sonografie) sofort, ob auch tiefer liegende Venen betroffen sind. Der schmerzlose Ultraschall misst den Blutfluss in den Gefäßen.

Dr. med. Heiß-Bogner: „Das Unterschenkelgeschwür ist dabei das gefürchtete Endstadium der Venenschwäche: Staut sich Blut über Jahre in den Beinen, überwärmt sich das Gewebe, Wasser sammelt sich an, die Lymphflüssigkeit fließt nicht mehr ab, und durch das sauerstoffarme Blut wird die Haut immer dünner, bis sie reißt. Es entstehen bis zu handtellergroße Wunden – Ulcus cruris genannt - die oft jahrelang nicht heilen.“

Über eine Million Deutsche – etwas mehr Frauen als Männer – sind betroffen. Viele Patienten haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden, dabei ist heute eine Heilung mit besseren Operationstechniken und neuen Wirkstoffen bei nahezu jedem Ulcus möglich.

So gibt es für jahrelang bestehende oder sehr ausgedehnte Befunde, die unter reinen Verband- und Wickelmaßnahmen nicht abheilen, eine Behandlungsmethode mit einer hohen Erfolgsrate: Shaving (to shave, engl. = glätten). Dabei wird das gesamte über Jahre vernarbte Haut- und Unterhautgewebe – wenn nötig bis auf die Muskulatur – Schritt für Schritt abgetragen.

Die gut durchblutete Wundfläche kann nach Vorbereitung plastisch mittels einer Hauttransplantation gedeckt werden. Es wird ein dünnes Hauttransplantat meist vom Oberschenkel entnommen und auf die Wunde aufgebracht. Nach ca. fünf Tagen Ruhe und Kompression heilt die Haut ein. Nach weiteren 2-3 Wochen ist sie fest und meist komplett eingeheilt. Dann gehören Schmerzen, Wundsekretion und Infektionsgefahr sowie meist tägliche Verbandswechsel der Vergangenheit an.